Research

Leben im Bodensee –
gestern, heute und morgen

Der Bodensee ist einer der größten Alpenseen an der Grenze zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz – ein wichtiges Trinkwasserreservoir und Ökosystem, bedeutend für Tourismus, Erholung, Fischerei, Naturschutz und Energiegewinnung.

Im vergangenen Jahrhundert durchlief der Bodensee weitreichende Veränderungen: ungereinigtes Abwasser und intensive Landwirtschaft führten zu einer starken Verschmutzung des Sees in den 50-80er Jahren. Der Bodensee wurde nährstoffreicher (Eutrophierung). Obgleich der natürliche Trophie-Zustand, dank eingeleiteter Gegenmaßnahmen, fast vollständig wiederhergestellt werden konnte
(Re-Oligotrophierung), gibt es irreversible Veränderungen in der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft. Eine Felchenart (Kilch) ist während der Phase der Eutrophierung ausgestorben, Klimawandel und die Einwanderung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten gefährden potenziell die natürliche Biodiversität. Dies kann zu Änderungen im Nahrungsnetz führen und die Funktionsweise des Ökosystems Bodensee beeinflussen. Fangerträge der Fischerei sinken. Aufgrund der Ausbreitung gebietsfremder Muschelarten (z.B. Quagga-Muschel Dreissena rostriformis bugensis) werden Bedenken hinsichtlich erhöhter Wartungskosten für kommunale Wasserversorger geäußert. 

Heute gibt es mehr als 37 gebietsfremde Arten im Bodensee, darunter zum Beispiel den Dreistachligen Stichling (Gasterosteus aculeatus), die Zebramuschel (Dreissena polymorpha, auch Wandermuschel oder Dreikantmuschel genannt), den großen Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) und die Wasserflohart Daphnia galeata.

Das Projekt SeeWandel untersucht den Einfluss und die Bedeutung von Nährstoffrückgang, Klimawandel, gebietsfremder Arten und anderer Stressfaktoren für das Ökosystem, seine Biodiversität und Funktionsweise, sowie die menschliche Nutzung am See. SeeWandel umfasst 13 Teilprojekte, die sich mit dieser aktuellen Problematik unter Anwendung verschiedenster Forschungsmethoden auseinandersetzen, wobei die Betrachtung des Ökosystems Bodensee als Einheit im Vordergrund steht. Vergleichende Untersuchungen in anderen Seen (z.B. Walensee, Zürichsee) ermöglichen – für einige Teilbereiche – die Generalisierung der im Bodensee gewonnenen Erkenntnisse und die Betrachtung der Prozesse im Bodensee in einem größeren Kontext.

SeeWandel ist offiziell im Januar 2018 gestartet, mit einer Laufzeit von 4 Jahren und 6 Monaten (bis Ende Juni 2022).

Mission

  • Prozessverständnis des Pelagials und Litorals, sowie Verständnis der Interaktionen zwischen diesen verbessern

  • Basiswissen schaffen, auf dessen Grundlage wissenschaftlich fundierte Entscheidungen von Seite der Wasserwirtschaft, des Gewässermanagements und der Politik über die Zukunft des Bodensees getroffen werden können

  • Widerstandsfähigkeit des Ökosystems Bodensee, potenzielle Veränderungen von Ökosystemleistungen und zukünftige Probleme evaluieren

  • Verständnis des Nahrungsnetzes und der Funktionsweise des Ökosystems Bodensee verbessern

SeeWandel ist bestrebt einen engen Austausch mit Stakeholdern, lokalen Behörden und Verwaltungen, sowie Verbänden zu pflegen um die Vielfalt der Ansichten, Bedürfnisse und Ziele in die erfolgreiche Entwicklung des Projekts einfließen zu lassen.

Pelagial

Das Pelagial, Freiwasserzone, ist bei Seen der uferferne Bereich des freien Wassers – Lebensraum für…

… Plankton: schwebende Kleinstlebewesen mit fehlender oder geringer Eigenbewegung, die sich mithilfe der Strömung fortbewegen, wie z.B. Bakterien, Algen, Blatt- und Ruderfuβkrebse, Larven der Zebramuschel
… Nekton: Lebewesen, die sich eigenständig und strömungsunabhängig fortbewegen, wie z.B. Fische
… Neuston: Lebewesen, die sich im Bereich des Oberflächenhäutchens des Wassers aufhalten und auf die Existenz der Oberflächenspannung des Wassers angewiesen sind, wie z.B. einige Algen-, Bakterien- und Pilzarten
… Pleuston: auf der Wasseroberfläche lebende oder treibende Lebewesen, wie z.B. Wasserlinse, einige Wasserfarne

Zu den Teilprojekten:

Ergänzend

Chemisches und biologisches Monitoring durch die IGKB.

Litoral

Das Litoral, Uferzone, ist bei Seen der durchlichtete Uferbereich, Teil des Benthals (Bodenbereich eines Sees). Das Litoral ist Lebensraum für eine artenreiche Fauna und Flora. Der Groβteil der photosynthetischen Aktivität findet hier statt. Das Litoral kann wie folgt untergliedert werden:

1) Supralitoral (Spritzwasserzone),
2) Eulitoral (Zone im Bereich der Wasserstandsschwankungen) und
3) Sublitoral (Zone mit dauerhafter Wasserbedeckung).

Je nach Bewuchs werden weitere Zonierungen definiert:

a) Röhrichtgürtel (Schilfrohrzone),
b) Schwimmblattpflanzengürtel,
c) Gürtel der submersen Wasserpflanzen (Unterwasserpflanzenzone) und
d) unterseeische Wiesen (meist nur in nährstoffarmen Seen).

Zu den Teilprojekten:

Ergänzend

Chemisches und biologisches Monitoring durch die IGKB.

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Publikationen